Der Metzger

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Wenn Metzger Anton Munkert gegen elf Uhr den Braten aus dem Ofen holt, haben den seine Stammkunden schon gerochen. Der Duft des saftigen Fleisches zieht durch die Metzgerei, auf die Straße, fast bis zum Taxistand am Viktualienmarkt hinaus. Wer jetzt das lecker gewürzte Randstück haben möchte, hier in Bayern Ränfterl genannt, der muss sich ran halten. Der Braten, gewürzt nach streng gehütetem Familienrezept, ist nur eine der vielen Spezialitäten der Metzgerei Schäbitz am Viktualienmarkt. Äußerst beliebt sind auch die frischen Weißwürste und es gibt Kunden, die behaupten, hier gäbe es den besten Leberkäse der Stadt.

Es ist schon etwas besonderes, einen Laden in der Metzger-Zeile zu haben, meint Anton Munkert. Der Tölzer hat auf dem Viktualienmarkt bei der Metzgerei Schäbitz eine Heimat gefunden. Bevor es ihn hierher verschlug war er Verwaltungsleiter einer Klinik in Oberammergau. Fachwirt im Gesundheitswesen stand auf seiner Visitenkarte. Als das für ihn nicht mehr so lief, wie er es sich vorstellte - die Gesundheitsreform schmälerte den Verdienst bei erhöhtem Stress - machte es sich bezahlt, dass er in jüngeren Jahren drei Lehren gemacht hatte: Bäcker, Konditor und eben Metzger. Die Chance beim Schäbitz, einer Münchner Metzger-Dynastie mit langer Tradition, zu arbeiten, hat er sich nicht entgehen lassen.

Den Wechsel vom Krankenhaus ins Metzger-Handwerk und von Oberammergau auf den Viktualienmarkt hat er nie bereut. Es geht auch hier mehr zu, wie daheim auf dem Land, das tut ihm gut. Die Kundschaft sei lebendiger und flexibler, meint er. Da gibt es Touristen aus aller Herren Länder, die Bayerische Spezialitäten probieren wollen, Taxifahrer, die schnell vom Stand herüberkommen, um sich eine Leberkäs-Semmel abzuholen und eine äußerst wählerische Stammkundschaft, die von Laden zu Laden geht und die Leberwurst hier und den Salat dort kauft. Außerdem hält man eben noch zusammen auf dem Viktualienmarkt. Natürlich gibt es auch Neid und Streit, aber wenn es darauf ankommt, dann hilft man sich. "Wir lieben und wir schlagen uns", heißt das auf gut Bayerisch.

Der Viktualienmarkt ist nur eine Heimat des freundlichen Mittvierzigers. Seine zweite Heimat ist Namibia, zu der Anton Munkert eine ganz besondere Beziehung hat. Er baut dort Schulen. "Wenn man einmal da war", sagt er, "dann weiß man, diesen Menschen muss geholfen werden. Damit auch sie ein Chance im Leben haben." Und so packt er seit sechs Jahren mit an, wenn es darum geht in einem kleinen Dorf irgendwo im Busch ein Schulhaus zu errichten. Das ist es, was den Menschen dort fehlt: die Möglichkeit zu lernen.

Der große Unterschied zu vielen anderen Hilfsorganisationen ist, dass die Namibia-Kinderhilfe alles mit ehrenamtlichen Mitarbeitern leistet. Unterstützung bekommen sie dabei von der Hanns-Seidel-Stiftung. Die Unkosten werden durch Mitgliedsbeiträge finanziert, alle Spenden kommen zu hundert Prozent bei den Kindern und Familien in Afrika an. Die Praxis zeigt, dass man den Menschen dort am meisten hilft, wenn man ihnen Bildung ermöglicht. Für ungefähr 20.000 Euro lässt sich schon eine kleine Schule - ein Steinbau mit zwei Klassenzimmern - errichten. Damit haben auch die Kinder auf dem Land endlich eine Möglichkeit zum Unterricht zu gehen. Und die Jungs und Mädchen sind stolz und begeistert, wenn sie zur Schule gehen dürfen. Einigen, die durch ihre Leistung besonders herausragen, wird darüber hinaus auch ein Stipendium gewährt.

Ein Grund für Anton Munkert, diese ehrenamtliche Arbeit zu leisten, ist die schier unendliche Dankbarkeit der Kinder und ihrer Familien. Jedes Mal werden die weit gereisten Helfer mit großer Herzlichkeit begrüßt. Als Metzger weiß Munkert, wie wichtig Fleisch in einer ausgewogenen Ernährung ist, ein Lebensmittel, das gerade in ärmeren Regionen so gut wie nie auf dem Speiseplan steht. Da bekommen nicht nur die Kinder große Augen, wenn er mit einem Schwein oder einer Rinder-Hälfte erscheint. Dann wird ein großes Fest veranstaltet, damit das ganze Dorf etwas davon hat.

Zurück in Deutschland zehrt er noch lange von den positiven Erlebnissen. Doch auch hier setzt er sich für seine Mitmenschen ein. Schüler, hier wie in Namibia, brauchen etwas Gutes zum Essen. Deshalb gibt es bei ihm die Leberkäs-Semmel zum Schülerpreis von einem Euro. Dieser Preis gilt übrigens auch für Taxifahrer. Vielleicht findet ja das eine oder andere so eingesparte Fuchzgerl seinen Weg in die Spendenbox der Namibia-Kinderhilfe.


 
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