Kosten fressen Gewinne auf

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Das Taxigewerbe fordert in seinem Tarifantrag eine Preiserhöhung von 12 bis 16 Prozent. Eine ausführliche Begründung macht klar, dass diese Forderung nicht nur angemessen, sondern wirtschaftlich dringend notwendig ist.

Die letzte Tariferhöhung war 2006 und liegt somit inzwischen vier Jahre zurück. Die MVG, wie das Taxi ebenfalls ein Bereich des öffentlichen Personennahverkehrs, erhöht ihre Preise regelmäßig. Im direkten Vierjahresvergleich haben die Münchner Verkehrsbetriebe ihre Beförderungsentgelte um 16,2 Prozent angehoben.

Mit den seit 2006 gültigen Tarifen erwirtschaftet ein Taxiunternehmer derzeit durchschnittlich 2,61 Prozent Rendite. Dieser Wert ergibt sich anhand einer Kurzkalkulation eines Taxiunternehmens in München und wurde berechnet für einen Einzelunternehmer mit einem Fahrer bei 45 Prozent Umsatzbeteiligung.

Es bleiben dem Taxiunternehmer vom gesamten erzielten Umsatz nach Abzug aller Kosten also nicht mal drei Prozent Gewinn übrig. Bei so einer kleinen Marge genügen schon kleinste Abweichungen sowohl auf der Kosten- als auch auf der Umsatzseite, um die Rentabilität ins Negative zu rücken.

Nachfolgend ein paar Beispiele:

  • Die Wirtschafts- und Finanzkrise 2009 führte auch im Taxibetrieb zu erheblichen Umsatzeinbußen. München bekam dies als Messestadt, Industrie- und Medienstandort deutlich zu spüren.
  • Die Terrorschutzmaßnahmen während des Oktoberfestes führten während der zweiten Woche zu geschäftsmindernden Einschränkungen im Taxiverkehr.
  • Die Schließung des Münchner Flughafens an fünf Tagen Mitte April wegen der Aschewolke brachte zwar einigen wenigen Kollegen lukrative Fernfahrten. Die Mehrzahl der Taxiunternehmen aus der Stadt und den angrenzenden Landkreisen mussten jedoch massive Verdienstausfälle hinnehmen.
  • Der immense Anstieg der Dieselkosten im Jahr 2008 auf teilweise über 1,40 Euro brutto wurde vom Taxigewerbe damals durch keine Preiserhöhung aufgefangen. Auch 2010 sind die Spritpreise wieder deutlich angestiegen. Mitte 2006 kostete ein Liter Diesel noch durchschnittlich 1,11 Euro brutto, Ende März 2010 zahlten Taxiunternehmer 1,21 Euro für den Treibstoff.
  • Die Kfz-Anschaffungskosten sind durch Modellwechsel bei allen relevanten Taxiherstellern seit 2006 um mehr als 10 Prozent gestiegen. Taxiunternehmen haben dies damit kompensiert, dass sie entweder zu einem preiswerteren Hersteller umgestiegen sind oder dringend notwendige Neuanschaffungen erst einmal verschoben haben.
  • Auch die Reparaturkosten haben sich drastisch erhöht. Kostete eine Arbeitseinheit in einer Vertragswerkstatt 2006 noch 7,85 Euro, so zahlt man heute dafür 8,90 Euro. Dazu kommen höhere Kosten für Verschleiß- und Ersatzteile. Bezieht man notwendige Aufwendungen für neue Reifen und Lackierungsarbeiten ein, so sind die Kosten für Reparaturen und Teileaustausch um 25 Prozent angestiegen.
  • Ganz besonders drastisch fällt die Kosten- und Ertragssituation bei den Taxiunternehmern am Münchner Flughafen aus.
  • 2009 reduzierte sich das Fluggastaufkommen um 12,9 Prozent. Entsprechend weniger Fahrten hatten die Kollegen seitdem.
  • Gleichzeitig sind aber die Kosten für die Aufstellung angestiegen: Um 15 Prozent bei der Jahresgebühr und sogar um 25 Prozent bei der Aufstellung. Zum Vergleich: 1993, zwei Jahre nach der Eröffnung des Flughafens, kostete die Jahresplakette ungeachtet der Nutzungshäufigkeit 150 DM (76,70 Euro). Im Jahr 2010 zahlt ein Unternehmer, der an 210 Tagen pro Tag zwei Fahrten vom Flughafen macht, rund 540 Euro. Dies entspricht einer Steigerung in 17 Jahren um über 700 Prozent.
  • Der degressive Tarif für Münchner Taxis wurde 1995 eingeführt. Seitdem gilt, dass die ersten fünf Kilometer mit einem höheren Satz berechnet werden als die nachfolgenden fünf und diese wiederum mehr kosten als jeder Kilometer ab dem Zehnten. (3. Degressionsstufe). Besonders in der letzten Abstufung haben sich die Preise von 2,20 DM (1,12 Euro) im Jahr 1995 auf bis heute gültige 1,25 Euro kaum verändert. Fahrten ab dem 10. Kilometer erhöhten sich also in den letzten Jahren sogar unterhalb der Inflationsrate und führen so zu realen Einkommensverlusten!
  • Auch eine andere Zahl belegt das zwischenzeitliche Missverhältnis innerhalb der Preisstaffelungen: 1995 war die 3. Degressionsstufe im Vergleich zu den ersten fünf Kilometern 14,8 Prozent günstiger. Im Moment liegt der Unterschied bei 21,88 Prozent. Mit der nun vorgeschlagenen Erhöhung auf 1,50 Euro ab dem 10. Kilometer würde sich dieses Verhältnis wieder auf 16,67 Prozent reduzieren und damit in jedem Fall den degressiven Charakter des Taxitarifs behalten.

Der beantragte neue Tarif bewirkt bei Flughafenfahrten eine Verteuerung um 16,89 Prozent. Dies erscheint schon deswegen unumgänglich, weil diese Fahrten in 15 Jahren von 1995 bis 2010 lediglich um 13 Cent pro Kilometer gestiegen sind.

Der als Zuschlag geforderte Euro für alle vom Flughafen abgehenden Fahrten soll die Gebühren für die Aufstellung am MUC auffangen. Dadurch ist gewährleistet, dass tatsächlich nur Fahrgäste vom Flughafen an den Zusatzkosten beteiligt werden. Das Modell, die Flughafengebühren über einen gesonderten Zuschlag an den Fahrgast weiterzugeben, wurde übrigens letztes Jahr in Berlin eingeführt und hat sich dort bewährt.

Kein Geschäft am Flughafen, dafür überfüllte Taxistände so wie hier am vierten Tag der Luftraumsperrung wegen der isländischen Aschewolke sorgten für massive Umsatzrückgänge.

Leider nicht bewährt hat sich der Großraumzuschlag, der seit 2006 erst ab der sechsten Person und nicht wie jahrelang vorher ab der 5. Person kassiert werden darf. Er soll deswegen wieder bereits ab dem fünften Fahrgast gelten und weiterhin fünf Euro betragen.

Die neue Regelung war den Kunden nur schwer zu vermitteln, denn weitere Anfahrtswege und damit verbundene längere Wartezeiten müssen Taxifahrer mit entsprechenden Großraumfahrzeugen schon ab der fünften Person und nicht erst ab der sechsten in Kauf nehmen. Darüber hinaus beklagten sich Fahrgäste regelmäßig über unterschiedliche Auslegungen seitens der Fahrer. Um solche Unsicherheiten bei der Kundschaft zu vermeiden und um eine klare und logische Begründung für den Großraumzuschlag geben zu können, sollten künftig Aufschläge wieder ab der fünften Person verlangt werden dürfen.

Erstmals taucht in einem Tarifantrag ein gesonderter Zuschlag für Zahlungen mit Kredit- oder EC-Karten auf. Das Volumen der Fahrten, bei denen bargeldlos bezahlt wird, liegt mittlerweile bei 10-12 Prozent des Gesamtumsatzes. Kreditkartenfirmen verlangen ein Disagio von durchschnittlich vier Prozent. Schon allein dieser Posten genügt, um die oben angesprochenen 2,61 Prozent Rendite aufzufressen.

Am Flughafen München ist die Akzeptanz von Kreditkarten inzwischen vertraglich vorgeschrieben. Auch die Münchner Taxizentralen bieten ihren Kunden Kreditkartenzahlung, in manchen Fällen sogar EC-Kartenzahlung an. Die Abwicklung erfolgt meist direkt über das Funksystem. Selbst diejenigen, die keiner Zentrale angeschlossen sind, akzeptieren bargeldlose Zahlung und verwenden dafür elektronische Geräte. Diese kosten monatlich je nach Anbieter und möglicher Online-Prüfung zwischen 12 und 25 Euro – zzgl. des Disagios.

Bei einer Flughafenfahrt mit Kreditkartenzahlung gehen dadurch zwischen 2,50 und 3,20 Euro an Kosten und Gebühren verloren. Bei Stadtfahrten liegen die Abzüge bei einem exemplarischen Fahrpreis von 14 Euro bei 1,12 Euro. Nicht einbezogen sind der Abrechnungsaufwand für die Buchhaltung sowie etwa drei bis vier Wochen Eingangsverzögerung im Vergleich zur Bargeldzahlung.

Warenhäuser und andere Branchen haben in ihre Verkaufspreise die Kosten für bargeldlose Zahlungen einberechnet. Im Taxitarif ist eine entsprechende Kostenkalkulation nicht enthalten. In vielen europäischen Standorten werden auf Fähren und an Mautstationen Aufschläge bei Kreditkartenzahlung verlangt. Dort bewegen sich die auf Kunden umgelegten Gebühren zwischen zwei Euro und zehn Prozent pro Auftrag. Eine Umlage in Form eines Zuschlags ist daher auch für den Taxitarif angemessen.

Den ausführlichen Tarifantrag mit weiteren Begründungen können Mitgliedsunternehmen des TVM bei Florian Bachmann im Büro einsehen. Um telefonische Voranmeldung unter 089 / 450 54-113 wird gebeten.

Derzeit kostet der Sprit 10 Cent mehr pro Liter als 2006. Mehrkosten, die seit vier Jahren nicht kompensiert werden.

 
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